Das Lachen und der Tod von Pieter WebelingErnst Hofman aus Amsterdam, Sohn eines Deutschen und einer Jüdin, hat den falschen Vornamen, denn er ist Komiker. Er lebt für seinen Beruf und den Wunsch, Menschen mit seinem Humor ihre Sorgen vergessen zu lassen bis er 1944 wegen politischer Witze in einem Viehwaggon in ein Vernichtungslager gebracht wird.
Dort begegnet er täglich dem Horror und Schrecken des Lageralltags und muss sich dem nackten Kampf ums Überleben stellen, in dem Mitgefühl, Ethik und Moral keinerlei Rolle mehr spielen.
Als er beginnt, seine Mitgefangenen mit selbst inszenierten witzigen Aufführungen zu unterhalten, um sie abzulenken und ihren Überlebenswillen zu stärken, wird auch der Lagerkommandant auf ihn aufmerksam und macht ihm einen diabolischen Vorschlag: wenn Hofmann vor dem SS-Lagerpersonal als Komödiant auftritt, wird der Kommandant das Leben der jüdischen Frau verschonen, in die sich Hofman auf dem Transport verliebt hat. Mit der Entscheidung zwischen Moral und Liebe begibt sich Hofmann in einen furchtbaren Gewissenskonflikt, der ihn dazu bringt, sich schließlich fast selbst zu verleugnen.

Peter Webelings zweiter Roman thematisiert die ambivalente Rolle des Humors in einer Diktatur und einer lebensunwürdigen Umgebung. Sein Buch schockiert und entsetzt mit detailreichen Schilderungen des grausamen Lageralltages, in dem ein Leben weniger wert ist als ein Kanten harten Brotes. Darf man über das Sterben, das Leiden und das systematische Morden an Millionen von Menschen Witze machen?
Webeling führte als Journalist für namhafte holländische Zeitungen zahlreiche Interviews sowohl mit Holocaust-Überlebenden als auch mit Komikern. Seine Recherchereisen führten ihn mehrfach in die Gedenkstätten von Auschwitz und Birkenau. Glasklar und oft auch schmerzhaft sind seine sehr authentisch wirkenden Szenen, beißend und doch auch oft erschreckend komisch der Humor seines Protagonisten Hofman, der auch nicht davor halt macht, sich selbst und seine lebensgefährliche Lage zur Zielscheibe des Gelächters zu machen.

Für den Leser wird das Buch somit zur echten Belastungsprobe. Subtil versetzt Webeling ihn in einen Zustand, in dem ihm gleichzeitig die Haare zu Berge stehen und das laute Lachen im Halse stecken zu bleiben droht. Grusel, Abscheu und eine perverse Faszination an den teuflischen Witzen stürzen den Leser in immer neue Gefühlsapokalypsen, und dennoch entsteht nie das Gefühl, Webeling würde seine Figuren und Handlungen überzeichnen.
Kein Buch für schwache Nerven, aber trotzdem eines, das Hoffnung macht und am Ende Humor als echte Waffe gegen Angst und Verzweiflung sowohl für Webelings Figuren als auch für den Leser erkennen lässt.

In einem Satz:
Trotz des beklemmenden Themas ein Buch, das den Leser erstaunlich oft zum Lachen bringt und tief berührt.


Pieter Webeling. Das Lachen und der Tod. Aus dem Niederländischen von Christiane Burkardt. Erscheinungstermin: 19. August 2013. 320 Seiten. Verlag: Blessing, ISBN: 978-3-89667-464-7, € 19,99 

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