Rundell_K_Sophie_auf_den_DächernWenn ein Buch für Menschen ab elf Jahren empfohlen wird, heißt das ja glücklicherweise, dass auch Erwachsene es lesen dürfen.

„Sophie auf den Dächern“ ist auch für Große ein hübsches Lesebonbon, für Kinder aber ist es eine fantasievolle Wundertüte angefüllt mit Freundschaft, Vertrauen und der Erkenntnis, dass man kleine Mädchen nicht unterschätzen sollte.

Bei einem Schiffsunglück im englischen Kanal wird die einjährige Sophie zur Waise. Weil keine Angehörigen ausfindig gemacht werden können, nimmt sie der englische Gelehrte Charles Maxim bei sich auf, der sich aber mit allen Dingen der Welt um einiges besser auskennt als ausgerechnet mit Babys.

„Charles hatte so gut wie keine Erfahrung mit Kindern. Und das gestand er Sophie auf der Heimfahrt: Ich verstehe mich besser auf Bücher, als auf Menschen, fürchte ich. Bücher sind so einfach im Umgang.“

Seinen Mangel an Erfahrung macht der alleinstehende Mann mit einem großen Herzen, viel Liebe und reichlich Hingabe wett, und so wächst Sophie zwar in unkonventionellen Verhältnissen, aber dennoch sehr glücklich auf, zumindest bis sie zwölf Jahre alt ist. Da kommt nämlich eine verknöcherte Inspektionskommision zu der Ansicht, dass Charles nicht in der Lage sei, sie zu einer anständigen jungen Dame zu erziehen und beschließt, ihm die Vormundschaft zu entziehen.

Und weil Sophie sowieso davon überzeugt ist, dass ihre Mutter wie sie das Schiffsunglück überlebt haben muss und die Spur nach Paris führt, nutzen sie und Charles die Gelegenheit und fliehen vor der Staatlichen Behörde für Kindeswohl in die französische Hauptstadt, um dort Sophies Verdacht nachzugehen.

„Wenn man Pläne schmiedet, ist es entscheidend, dass man genug zu essen hat. Es würde viel seltener Krieg geben, wenn die Premierminister während einer Kabinettssitzung Donuts essen würden.“

Während Kinder wohl vor allem Sophies Unerschrockenheit und ihre Abenteuerlust bewundern werden, ist man als Erwachsener eher hingerissen von der unbeholfenen Liebe, die Charles für Sophie empfindet, der Hingabe, die er in die Suche nach ihrer Mutter investiert, obwohl er doch weiß, dass für ihn der Erfolg der Mission den Verlust seiner Ziehtochter nach sich ziehen muss.

Doch Charles Bemühungen, den offiziellen Amtsweg zu gehen, verlaufen im Sande und hetzen ihnen wieder die englischen Behörden auf den Hals. Währenddessen erlebt Sophie ihre eigenen Abenteuer: Sie hat Matteo kennengelernt, eines von zahlreichen Kindern, die auf den Pariser Dächern leben. Durch sie eröffnet sich für das Mädchen eine völlig neue, jedoch seltsam vertraute Welt und eine Chance, ihre Mutter doch noch zu finden.

„Sophie auf den Dächern“ ist ein Buch über Freundschaft und Vertrauen, über Mut und darüber, wie wichtig es ist, zu seiner Meinung und seinen Überzeugungen zu stehen, auch wenn alles dagegen zu sprechen scheint. Katherine Rundell schafft ein herzerwärmendes Paralleluniversum weit über der Welt, die wir kennen, zu dem Erwachsene nur Zugang erhalten, wenn sie den Glauben an die Kraft der Fantasie noch nicht verloren haben.

In einem Satz:

Tolles Abenteuer für schwindelfreie Kinder und träumerische Erwachsene, das durch vielschichtige Protagonisten und skurrile Einfälle und Dialoge bezaubert. 


Katherine Rundell. Sophie auf den Dächern. (Im Original: Rooftoppers.) Aus dem Englischen von Henning Ahrens. Erschienen am 30.10.2015. 256 Seiten. Carlsen, ISBN: 978-3-551-58319-2, € 14,99

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