Wiemers_R_Bross_Endstation_HinterhofEin Kommissar, der am Tatort Yoga macht. Eine Staatsanwältin mit rosaroter Brille. Ein ganzer Straßenzug voll Verdächtiger.

„Bross. Endstation Hinterhof“ ist der zweite Teil einer Buchreihe um einen schrägen Ermittler und so sehr ein waschechter Krimi, wie „Police Academy“ als „Tatort“ durchgeht. Aber wer auf durchgeknallte Figuren, witzige Dialoge und einfallreiche Twists steht, wird hier voll auf seine Kosten kommen.

Sonnenbrillenkauf? Badeseeidylle? Kommissar Bross wurde zwangsbeurlaubt und ist schon am ersten Tag seiner ihm auferlegten Erholungspause genervt. Schließlich hat er gerade erst die deutsche Mafia zerlegt und so gar keine Lust auf süßes Nichtstun.
Glücklicherweise – für Bross – wird kurz darauf die rote Cora, eine stadtbekannte Dame mittleren Alters und zweifelhafter Moral, ermordet in einem Hinterhof aufgefunden. Der schneidige Kommissar und sein treuer Assistent Keule machen sich sofort an die Ermittlungen, doch die mysteriöse Tatwaffe und ein ganzer Sack voller Verdächtiger erweisen sich als unerwartet harte Nuss. Und dann gibt es da ja noch diesen geheimnisvollen weißen Mercedes 600 …

„Bross. Endstation Hinterhof“ ist der zweite Teil der Slapstick-Krimireihe um einen scharfsinnigen, aber schrulligen Kommissar, der alle Top-Verbrecher zur Strecke bringt, aber regelmäßig an seinen nassen Zigaretten scheitert.

Auch im zweiten Band behält der Autor Richard Wiemers seinen herrlich klamaukigen Stil bei, erheitert mit überraschenden Wendungen, schrägen Einfällen und richtig tollen Dialogen. Das Buch besticht durch Wortwitz bis hin zur Poesie, großzügig angewandte Klischees und nette Entlehnungen aus der Fernsehwelt. Der nur durch Zufall smarte Kommissar und sein trotteliger Sidekick Keule ermitteln in neuer Location und treffen auf eine bunte Schar zwielichtiger Kleinganoven und Nachbarn, die alle irgendwie ein Mordmotiv oder kein Alibi haben.

Mit dem zweiten Teil legt der Autor ordentlich nach. Ihm gelingt eine tolle Fortsetzung seines ersten Teils, in der er liebgewonnene Details und Schrullen seiner Helden behält und weiter ausbaut und gekonnt Neues hinzufügt – und dabei immer an der Grenze zum Absurden entlangbalanciert. Für Fans von seriös-getragenen Schweden-Krimis dürfte das ein echtes Killerprogramm sein, denn Wiemers nimmt das Krimigenre und seine smarten Kommissare gehörig auf die Schippe.  Seriöse Ermittlungen oder einen sherlockmäßigen Handlungsstrang sucht man vergebens, dafür lässt der Bross einen sogar mit einer Leiche richtig Spaß haben.

In einem Satz:

Ein großartig hanebüchener Lesespaß um eine Hauptfigur, die sich selbst für unwiderstehlich hält und Recht damit hat. Unterhaltsam. Süffig. Empfehlenswert.   


Richard Wiemers. Bross. Endstation Hinterhof. Erschienen im Dezember 2016. 228 Seiten. Periplaneta, ISBN: 978-3959960151, € 12,50

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