Die Falle von Melanie Raabe

Die Falle von Melanie Raabe

Linda Conrads, Bestsellerautorin, sitzt nichts ahnend vor dem Fernseher, als ihre Welt von einer Sekunde auf die nächste völlig aus den Fugen gerät, glaubt sie doch, eben den Mann erkannt zu haben, der vor Jahren ihre Schwester ermordet hat.

Das Problem: für diese Überzeugung hat sie keinerlei Beweise, und dann ist da ja noch die Tatsache, dass sie seit elf Jahren das Haus nicht mehr verlassen hat. Linda fasst einen Plan, der ihre Vorstellungen von Wahrheit ins Wanken und sie selbst in Lebensgefahr bringt.

Raabes Debüt ist spannend, doch es enthält viele Ungereimtheiten und kann deshalb nicht völlig überzeugen.

Linda Conrads ist 38, reich, eine erfolgreiche Bestsellerautorin und lebt mit ihrem Hund in einem großzügig ausgestatteten Haus. Eigentlich hat sie alles, was man sich wünschen könnte, wäre da nicht die Tatsache, dass Linda seit elf Jahren nicht mehr auf der Straße war, nicht mehr im Garten, nicht mal in ihrer Einfahrt. Denn Linda Conrads hat ein Geheimnis: Sie ist traumatisiert und kann, seit sie ihre eigene Schwester ermordet vorgefunden hat, das Haus nicht mehr verlassen. Linda ist auch die Einzige, die den Mörder damals für den Bruchteil einer Sekunde noch gesehen hat. Um so größer ihr Entsetzen, als sie ihn eines Tages im Fernsehen wiederzuerkennen glaubt. Ihre Vermutung der Polizei mitzuteilen, fällt aus, denn sie hat keinerlei Beweise und die Gefahr, dass der Mörder gewarnt ist, ist zu groß. Also schmiedet Linda einen raffinierten Plan, der nur einen Schwachpunkt hat: Der Köder ist sie selbst.

Melanie Raabe, Autorin und Drehbuchautorin, Journalistin, Bloggerin und  Theaterschauspielerin, legt mit „Die Falle“ im Frühjahr 2016 ihr erstes Buch vor, das in den meisten Kritiken hoch gelobt wird. Ein Jahr später erscheint mit einer großen Marketingkampagne das Taschenbuch.

Keine Frage, „Die Falle“ unterhält. Raabes Erstling ist ein solider Thriller mit einer guten Idee, ordentlichem Spannungsaufbau, einigen falschen Fährten und rasanten Wendungen und einem ziemlich raschen Ende. Ihr Schreibstil ist flüssig und auf den Punkt und etwas ich-lastig, was aber bei einer Hauptfigur, die seit elf Jahren isoliert und fast ohne persönlichen Kontakt zur Außenwelt lebt, durchaus glaubwürdig ist. Raabes Talent, besonders für spannende Dialoge, steht außer Frage. Auch Lindas Innensicht, die Darstellung ihrer Ängste, ihrer Paranoia, ist richtig gut.

Dennoch. Das Buch ist nicht rund. Die Handlung wirkt oft konstruiert, wie hineingepresst in den Plot, der durch die beschränkten Örtlichkeiten natürlich auch arg beschnitten wird. Dazu kommen viele Unstimmigkeiten, Details, an denen man als Leser hängen bleibt, die stören und irgendwie wirken, als würden sie nicht passen und wären doch mit Gewalt hinzugefügt worden. Das ist nicht gut bei einem Thriller, in dem man sich mit sowas eigentlich nicht aufhalten will. Und dann das Ende. Nun ja. Das ist natürlich Geschmackssache und soll hier nicht vorweggenommen werden. Not my cup of tea, trifft es wohl am ehesten. Der Hype um das Buch und die Lobeshymnen erscheinen mir übertrieben. Raabe hat Potenzial, aber es ist deutlich ausbaufähig. Würde einem zweiten Buch aber eine Chance geben.

In einem Satz:
Melanie Raabe legt als Debüt einen soliden und spannenden Thriller vor, der unterhält, aber noch zu viele Schwachpunkte enthält. Überbewertet.  


Melanie Raabe. Die Falle. Erschienen am 09. März 2015. 352 Seiten. btb Verlag, ISBN: 978-3442714179, € 19,99

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