Multhaupt_P_Über_die_ErhabenheitJan ist vierzehn (oder so) und ein Außenseiter. Nach der Schule geht er mit seiner Kamera auf Streifzüge durch die Nachbarschaft und macht Fotos von toten Katzen. Er liebt den Dachboden seines Onkels und ist fasziniert von traurigen Mädchen. Dann begegnet er Claudia, die gerade richtig traurig ist, und entdeckt mit ihr zusammen die seltsamen Verbindungen des Lebens und auch die Liebe. Philipp Multhaupts erster Roman steht seinen wundervollen Erzählungen in nichts nach und bezaubert mit jeder Seite.

Der 14-jährige Jan ist ein Träumer. Von seinen lieblosen Eltern vernachlässigt lebt er in seiner eigenen Welt, die wenig mit den Freizeitaktivitäten Gleichaltriger zu tun hat. Nach Schulschluss stromert er mit seiner Kamera durch die Nachbarschaft auf der Suche nach toten Katzen, denn die sind sein vornehmliches Fotomotiv.

Als Sankt Thomas, der bösartige Stubentiger seiner Nachbarin, stirbt, ein seltsamer Cowboy auftaucht und mysteriöse Dinge mit seinen Fotoabzügen passieren, sieht Jan sich einem Geheimnis auf der Spur.

Doch dann trifft er Claudia, das gerade richtig traurige Mädchen. Sie ist die Einzige, die seiner Theorie von der seltsamen Verbindung zwischen Menschen und Ereignissen glaubt und die es zu lieben lohnt.

Tote Katzen, verschwundene Grammophone, geheime Dachbodenverstecke – auf den ersten Blick ist dieses Buch alles andere als eine Liebesgeschichte. Jan ist ein vernachlässigtes Kind, dessen Eltern so sehr um sich selbst kreisen, dass sie von der Existenz ihres Sohnes jeden Tag aufs Neue überrascht scheinen. Der Junge hat keine Freunde und entwickelt sich zu einem einzelgängerischen Jugendlichen mit schrulligen Hobbies und merkwürdigen Interessen.

Nur Claudia, die an Depressionen leidet und auch ein schwieriges Verhältnis zu ihren Eltern hat, scheint ihn zu verstehen. Gemeinsam entdecken sie nicht nur Geheimnisse in ihrer Nachbarschaft, die für alle anderen im Alltagseinerlei verborgen bleiben, sondern auch die Liebe.

Nach Multhaupts fulminantem Debüt mit „Herrn Murmelsams Fieberträume“ bringt der junge Autor nun seinen ersten Roman heraus. Er hat zwar die literarische Form gewechselt, aber beruhigenderweise nicht seinen Stil und seine Sympathie für eigenwillige Charaktere, die ihren skurrilen Hobbies mit einer Ungerührtheit nachgehen, als würden sie sich ihre morgendliche Tasse Tee kochen. Die Geschichte von Jan und Claudia ist eine langsam erzählte Detektivgeschichte ohne Mordfall, ein modernes Märchen voller Geheimnisse und wundersamer Zufälle und eine Liebesgeschichte, zart und durchsichtig wie ein Blütenblatt, das jeden Moment vom Wind davongeweht werden könnte.

In einem Satz:
Ein Roman zum Sinnieren und Sich-Verlieren, bei dem es fast körperlich schmerzt, wenn man die letzte Seite umgeblättert hat. 


 Philipp Multhaupt. Über die Erhabenheit toter Katzen und das Umwerben trauriger Mädchen: Eine Detektivgeschichte. Erscheinungstermin: 01. Juli 2016. 164 Seiten. Verlag: Periplaneta, Edition Drachenfliege. ISBN: 978-3959960137. € 12,50 

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Eine Antwort zu “Philipp Multhaupt – Über die Erhabenheit toter Katzen und das Umwerben trauriger Mädchen: Eine Detektivgeschichte”

  1. […] Regalschleicher nennt das Buch zum Beispiel „eine Detektivgeschichte ohne Mordfall“, lobt die „Sympathie für eigenwillige Charaktere, die ihren skurrilen Hobbies mit einer Ungerührtheit nachgehen, als würden sie sich ihre morgendliche Tasse Tee kochen“ und findet noch manch anderes wohlmeinendes Wort dafür. […]

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