Hanff_84_Charing_Cross_RoadNew York gegen Ende der vierziger Jahre: Die Bühnenschriftstellerin Helene Hanff ist bücherverrückt, doch nur in einem Londoner Antiquariat, auf das sie zufällig in einer Zeitungsanzeige stößt, findet sie Lesestoff für ihren sehr speziellen Geschmack. Was als Geschäftskorrespondenz beginnt, entwickelt sich bald zu einem erfrischenden Briefwechsel zwischen der schlagfertigen Amerikanerin und ihrem Antiquar. Eine wunderbare, wahre Geschichte und auf jeder Seite eine Liebeserklärung ans Lesen.

Helene Hanff hat wenig Geld und liebt erlesene Bücher. Diese sind Ende der vierziger Jahre in Amerika entweder nur schwer zu bekommen oder sie kosten sehr viel Geld. Als sie auf die Zeitungsanzeige der Londoner Buchhandlung Marks & Co. stößt, die sich auf nicht mehr lieferbare Bücher spezialisiert hat, nimmt sie per Brief Kontakt auf und schickt Antiquar Frank Doel eine Liste ihrer Bücherwünsche.

An diesem Punkt beginnt die Geschichte eines außergewöhnlichen Briefwechsels, der die kommenden zwanzig Jahre Bestand haben wird. Schon bald geht es in den Briefen zwischen den beiden Buchliebhabern nicht mehr nur um Buchbestellungen – ihre Korrespondenz ist vielmehr ein reger Austausch von Meinungen, Ansichten, Emotionen, aber auch zunehmend privaten Informationen um die jeweiligen Lebensumstände und Familien. Hanff offenbart dabei eine spitze Zunge und eine herrlich erfrischende Schlagfertigkeit, die Doel und weitere Angestellte des Antiquariats mit den Jahren schätzen lernen.

Die gelungene Zusammenstellung der Briefe lässt nicht nur verfolgen, wie Doel und Hanff über seltene Bücher und ihren Inhalt fachsimpeln, sich über schöne Einbände begeistern oder schlechte Übersetzungen ereifern, sie offenbart auch einen ganz eigenen Blick auf die Nachkriegszeit und ihre Lebensumstände in New York und London. Die zwanzigjährige Freundschaft zwischen zwei Büchernarren, die sich nie getroffen haben, ist beeindruckend und anrührend, gerade weil es sie wirklich gab. Es ist dabei seltsam passend, dass Hanff, die die vielen Jahre während ihrer Korrespondenz mit Doel versuchte, mit dem Schreiben Geld zu verdienen, erst mit der Veröffentlichung der Korrespondenz ihren literarischen Durchbruch erlebte.

„84 Charing Cross Road“ ist kein gewöhnlicher Briefroman, es ist eine kleine Perle, eine Festschrift an das Buch und ein Genuss für jeden, der das Lesen liebt.

In einem Satz:
Ein hinreißender kleiner Briefroman, der die wunderbare Freundschaft zwischen einer spröden amerikanischen Büchernärrin und ihrem sehr englischen Antiquar dokumentiert und der einfach glücklich macht. 


Helene Hanff. 84 Charing Cross Road. Aus dem amerikanischen Englisch von Rainer Moritz. 160 Seiten. Verlag: Atlantik, ISBN: 978-3-455-600005-6, € 14,99

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