Helen Macdonald – H wie Habicht

Macdonald_H_H_wie_Habicht_1Während andere Kinder ein Instrument lernen oder draußen spielen gehen, ist Helen Macdonald fasziniert von Greifvögeln und liest alles, was sie über die Tiere in die Finger bekommen kann. Später richtet sie Falken ab, doch die sind gut zu zähmen. Heimlich träumt sie immer davon, einen Habicht, den mörderischsten aller Vögel, zu halten. Als 2007 ihr Vater stirbt, stürzt Macdonald in eine tiefe Krise. Dann kauft sie den Habicht und beginnt ihren Kampf, das Vertrauen des Vogels zu gewinnen und  den Weg zurück zu sich selbst zu finden. H wie Habicht ist Tagebuch, Naturessay und Biografie in einem und absolut ungewöhnlich und faszinierend. (mehr …)

David Gilbert – Was aus uns wird

Gilbert_D_Was_aus_uns_wirdViele Menschen schreiben und veröffentlichen. Die meisten werden nie bekannt, einigen wenigen geklingt der Durchbruch, einer Handvoll nur die Sensation. A.N. Dyers „Ampersand“ war solch ein Sensationsbuch, nur liegt das schon Jahrzehnte zurück. Inzwischen ist der Erfolgsautor ein alter, ausgebrannter Mann, der seine Kreativität verloren hat. Noch einmal bestellt er seine drei Söhne zu sich, um reinen Tisch zu machen.

Ein ambitionierter Roman über eine amerikanische Upper-Class-Familie, eine bissige Abrechnung mit der Borniertheit der New Yorker Literaturszene und ein Buch, das bei all seiner Epik irgendwie doch nicht berühren kann. (mehr …)

John Williams – Butcher`s Crossing

Williams_J_Butchers_CrossingMittlerer Westen, 1870. Der junge Will Andrews kehrt Harvard und seinen glänzenden Karriereaussichten den Rücken und macht sich auf nach Westen. Inspiriert von Ralph W. Emersons Naturauffassung ist er auf der Suche nach der Wildnis, nach einem Leben im Einklang mit der Natur und nicht zuletzt nach sich selbst. In Butcher`s Crossing, einer bedeutungslosen Siedlung am Rande der Prärie, schließt er sich einigen Jägern an und finanziert eine waghalsige Expedition hinauf in die Rocky Mountains, wo es noch letzte große Büffelherden geben soll. 

Butcher`s Crossing hat mich schlichtweg umgehauen. Ein leiser, aber atmosphärischer Western über Lebensträume, Sehnsüchte und die Gier, die daraus erwachsen kann. (mehr …)

Adelle Waldman – Das Liebesleben des Nathaniel P.

waldma_a_das_liebeslebenHat Nate es endlich geschafft? Nach einer jahrelangen Durststrecke scheint es endlich aufwärts zu gehen: Sein Buch steht kurz vor der Veröffentlichung, er hat einen ordentlichen Vorschuss kassiert, und man kennt seinen Namen in der hippen Kulturszene von Brooklyn. Und auch privat läuft alles bestens, denn seine Ex-Freundin baggert ihn an und an Angeboten mangelt es nicht. Dann trifft er Hannah und die ist plötzlich sogar Beziehungsmaterial. Oder etwa doch nicht? Adelle Waldmann schreibt in ihrem Debütroman spitzzüngig über Liebe, Sex und die ewigen Missverständnisse zwischen den Geschlechtern, doch so wirklich spannend ist das nicht. (mehr …)

Haruki Murakami – Schlaf

Murakami_H_SchlafSiebzehn Nächte lang infolge hat sie nun schon nicht mehr geschlafen. Alles begann mit einem hyperrealistischen Albtraum, in dem ein alter, unheimlicher Mann am Fußende ihres Bettes stand und unaufhörlich Wasser über ihre Füße goss. Danach ist alles anders. Jede Nacht, wenn ihre Familie schlafen geht, liegt die Frau des Zahnarztes nun wach. Doch ihre Schlaflosigkeit hat entgegen all ihren Befürchtungen keinerlei negative Auswirkungen auf ihr Wohlbefinden. Unbemerkt von ihrem Umfeld beginnt sie eine Art zweites Leben zu führen, nachts, wenn die Welt um sie herum in Schlaf versunken ist.  

Murakamis Erzählung „Schlaf“ spielt mit der Reibung zwischen Unerklärlichem und Alltäglichen und kreiert ein Unbehagen, das einem ganz langsam tief unter die Haut kriecht.

(mehr …)

J. Ryan Stradal – Die Geheimnisse der Küche des Mittleren Westens

Stradal_R_Die_Geheimnisse_der_Küche_des_Mitlleren_WestensBis auf ihr seltsames Hobby ist die elfjährige Eva Thorwald ein ganz normales Mädchen, denn Eva züchtet Chilis – in ihrem Kleiderschrank. Mit ihren extrascharfen Habaneros beliefert sie nicht nur das mexikanische Restaurant ihrer Heimatstadt, sondern kann sich auch ihre lästigen Mitschüler vom Hals schaffen. Jahre später ist Eva ein Star. Als gefragteste Köchin Nordamerikas verdient sie ihr Geld mit ausgefallenen Pop-Up-Dinner-Veranstaltungen. Auch Cynthia Hargreaves steht auf ihrer Dinner-Warteliste, doch für sie bedeutet ein Treffen mit Eva eine Reise in ihre gemeinsame Vergangenheit. Stradals Roman um Köchin Eva ist ein kurzweiliges Geschichtenpatchwork, das gut in den Koffer passt und Spaß macht.   (mehr …)

Darragh McKeon – Alles Stehende verdampft

McKeon_D_Alles_Stehende_verdampftAls Artjom an diesem frühen Morgen im April 1986 erwacht, ist er aufgeregt. Er ist jetzt dreizehn, heute darf er zum ersten Mal mit seinem Vater und den Männern zur Mohrhuhnjagd. Stumm verrichten sie ihre morgendlichen Tätigkeiten: Waschen am Brunnen, das Schnüren der Stiefel, das Laden der Flinten. Über den Feldern steigt der Frühnebel auf, es ist ein besonderer Tag, das weiß Artjom genau, denn ein Licht, wie es heute herrscht, hat er noch nie gesehen. Doch dann entdeckt er das Vieh auf den Weiden, das aus den Ohren blutet und die Vögel, die tot vom Himmel fallen und ab da ist nichts mehr, wie es vorher war.

Darragh McKeons belletristische Version der Katastrophe von Tschernobyl ist wahnsinnig glaubhaft und verstörend und für mich das Beste, was ich bisher in diesem Jahr gelesen habe.

(mehr …)

Robert Galbraith – Die Ernte des Bösen

Galbraith_R_Die_Ernte_des_BoesenAls Robin Ellacott den Job als Sekretärin des exzentrischen Privatermittlers Cormoran Strike angenommen hat, hätte sie sich in ihren kühnsten Träumen nicht ausmalen können, dass sie eines Tages bei Öffnen der Post für ihren Chef ein abgetrenntes Frauenbein finden würde. Strike ist beunruhigt, denn in seiner Vergangenheit gibt es gleich mehrere Männer, denen er ein solches Verbrechen zutrauen würde. Parallel zur Polizei beginnt das ungleiche Duo zu ermitteln und gerät dabei, ohne es zu ahnen, in große Gefahr. Schon ab der ersten Seite hat er mich wieder gepackt … der Sog der Rowling’schen Krimis.  (mehr …)

Yoko Ogawa – Das Museum der Stille

ogawa_y_das_museum_der_stilleHaben Sie schon einmal ein Jobangebot angenommen, bei dem sie auch nach Wochen immer noch nicht wussten, was eigentlich von Ihnen erwartet wird?

Ein junger Mann reist mit leichtem Gepäck in ein abgelegenes Dorf in der Provinz. Seine Auftraggeberin, eine alte Dame, möchte, dass er ihr beim Aufbau eines Museums hilft, doch dieses Museum ist alles andere als gewöhnlich, denn es beherbergt ausschließlich von Toten gestohlene Gegenstände.

Yoko Ogawas Roman erzählt von Einsamkeit und einer stillen Kälte, die sich über jede umgeblätterte Seite legt. (mehr …)

Karen Köhler – Wir haben Raketen geangelt

Köhler_K_Wir_haben_Raketen_geangeltHalb verdurstet sitzt sie auf einem Stein neben einer Tankstelle im Death Valley. Die Sonne brennt erbarmungslos herunter, ihr Kopf tut weh. Als sie die Augen öffnet, steht vor ihr ein Indianer. Ein echter. Komplett mit Federhaube und Brustschmuck aus Knochenstäbchen. Er reicht ihr eine Wasserflasche und fordert sie auf zu trinken.

Wie in „Cowboy und Indianer“, einer der Erzählungen aus dem Buch, stehen die weiblichen Hauptfiguren von Karen Köhler an Scheidewegen ihres Lebens, kämpfen mit Verlust und Trauer oder wachsen auf verschiedene Weise an ihren Prüfungen. Ein fulminantes, berührendes und absolut beeindruckendes Debüt! (mehr …)