waldma_a_das_liebeslebenHat Nate es endlich geschafft? Nach einer jahrelangen Durststrecke scheint es endlich aufwärts zu gehen: Sein Buch steht kurz vor der Veröffentlichung, er hat einen ordentlichen Vorschuss kassiert, und man kennt seinen Namen in der hippen Kulturszene von Brooklyn. Und auch privat läuft alles bestens, denn seine Ex-Freundin baggert ihn an und an Angeboten mangelt es nicht. Dann trifft er Hannah und die ist plötzlich sogar Beziehungsmaterial. Oder etwa doch nicht? Adelle Waldmann schreibt in ihrem Debütroman spitzzüngig über Liebe, Sex und die ewigen Missverständnisse zwischen den Geschlechtern, doch so wirklich spannend ist das nicht.

Nathaniel Piven lebt im angesagten Brooklyn, New York, und ist Autor. Jahrelang hat er buchstäblich den Kitt aus den Fenstern gefressen, sich mit freien Kritiken und mies bezahlten Jobs über Wasser gehalten, während er an seinem Buch gearbeitet hat, doch die Mühe hat sich ausgezahlt. Jetzt hat er einen ordentlichen Vorschuss kassiert, sein Buch steht kurz vor der Veröffentlichung. Er scheint es geschafft zu haben. In der kulturellen Szene, in der er sich bewegt, kennt man seinen Namen, Frauen sprechen ihn an, man sieht sich auf Partys, bei Sektempfängen, Lesungen oder beim morgendlichen Soja-Latte im Coffeeshop um die Ecke. Nate hat Oberwasser. Er genießt den Hype, die Frauen, die Flirts. Dann trifft er Hannah. Die ist schlau und unnahbar und hat so eine Coolness, die ihn fasziniert, denn sie ist ganz anders als die Frauen seiner Vergangenheit. Aus den beiden wird mehr. Ohne es vom Herzen her zu wollen, schlittert Nate in eine Beziehung mit Hannah, die schon von Beginn an zum Scheitern verurteilt ist.

In den USA hat Waldmans Buch große Begeisterung ausgelöst, hielt sich wochenlang auf den Bestsellerlisten. Waldman gelänge es ungewöhnlich gut, sich in die Perspektive eines Mannes hineinzuversetzen, so die einhelligen Besprechungen. Ob dem so ist, kann ich als Frau natürlich schlecht beurteilen. Ich kann nur hoffen, dass nicht alle Männer so sind, wie Waldmans Hauptfigur, denn er ist ein ausgesprochenes Arschloch, das zwar vor sich selbst ständig so tut, als sei es an den Gefühlen seiner Partnerinnen interessiert, das jedoch vor allem anderen um sich selbst kreist. Frauen sind in Nates Augen vor allem eins: Beute. Ist diese dann erlegt, wird sie spätestens nach ein paar Monaten uninteressant. Kleine Mängel tauchen auf, Dellen hier, Schwabbel dort, nervige Angewohnheiten, die wohl von jedem am Partner wahrgenommen werden, aber bei Nate so an Bedeutung gewinnen, dass sie die charakterlichen Eigenschaften, die ihn an der jeweiligen Frau fasziniert hatten, völlig in den Schatten stellen. Spätestens dann ist die Sache eigentlich erledigt, Nate entfernt sich, geht wieder neu auf Beutejagd. Wenn alle Männer sich so aus Beziehungen verabschieden – gute Nacht.

Adelle Waldman schreibt überzeugend aus Sicht eines Mannes, aber dieser Mann ist ein Klischeetyp, ein Macho, der sich selbst für einen Frauenversteher hält, ein Narzist, der eigentlich nur sich selbst liebt und für Frauen nur temporär Zuneigung übrig hat, der jedoch nicht beziehungsfähig oder -willig ist.

So ist dann auch Nates und Hannahs Beziehung nur ein Klischee. Jagen, erlegen, das Abebben des Reizes, nachlassendes Interesse, verzweifeltes Klammern der Frau, Abwenden des Mannes. Irgendwie ist das alles zu sehr Lehrbuch, voraussehbar, banal. Dazu noch eine Menge hochtrabendes Gelaber, psychologische Spielchen, pseudointellektuelle Analysen … Vielleicht gibt es wirklich Menschen, die sich in solchen Kreisen bewegen. Sicher gibt es die. Aber ich möchte nicht dazugehören.

In einem Satz:

Waldmans Debüt hat Wortwitz und amüsiert. Doch es porträtiert eine Welt voller Klischees und Oberflächlichkeiten und langweilt genauso schnell, wie Hauptfigur Nate sich neu verliebt. 


Adelle Waldman. Das Liebesleben des Nathaniel P. (Im Original: The Love Affairs of Nathaniel P) Aus dem Englischen von Ulrike Wasel und Klaus Timmermann. Erschienen am 15. Juni 2015. 304 Seiten. Liebeskind, ISBN: 978-3954380480, € 19,90. 

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