Sloan_R_Die_sonderbare_BuchhandlungEin Buch über Bücher? – Interessant.

Ein Buch über fanatische Leser? – Sehr gut.

Ein Buch über einen mysteriösen, verwinkelten Buchladen und seine Geheimnisse? – Nur her damit.

In Sloans „Die sonderbare Buchhandlung des Mr. Penumbra“ gibt es all das, und doch konnte mich das so gar nicht überzeugen, denn trotz sicherlich allerbester Absichten des Autors ist bei dem Buch irgendwie eine Kreuzung zwischen „Da Vinci Code“ und Google-Dauerwerbesendung herausgekommen. Mr. Penumbra und ich sind leider keine besten Freunde fürs Leben geworden.

Clay Jannon ist Webdesigner und hat bisher wenig auf der Karriereseite seines Lebenslaufes vorzuweisen. Dann verliert er auch noch seinen Job. Weil er dringend Geld braucht, nimmt er ein Jobangebot in Mr. Penumbras altmodischer Buchhandlung an, wo er für die Nachtschichten eingeteilt wird. Der Laden liegt in einer Seitenstraße neben einem Nachtclub und scheint auf den ersten Blick nur einer unter vielen wenig besuchten Buchläden zu sein. Doch schon bald wird Clay klar, dass die Kunden, die Penumbras Laden aufsuchen, keineswegs gewöhnlich sind, denn sie kaufen keine Bücher, sondern leihen  sie aus. Dazu muss Clay den hinteren Teil des Ladens aufsuchen, wo die Bücher an den Wänden entlang bis in schwindelnde Höhen stehen und auch wenig mit den Taschenbüchern im vorderen Ladenteil gemein haben. Als Clay nämlich entgegen seiner Arbeitsanweisungen ein Buch öffnet, findet er heraus, dass alle Bücher des hinteren Raumes ausnahmslos unverständliche Codereihen enthalten.

Natürlich ist damit Clays Neugier geweckt. Genau wie meine. Bis dahin hat Sloans Buch wirklich alles, was einen spannenden Schmöker ausmacht: einen Buchladen, Bücher und ein Geheimnis. Doch dann geht es abwärts (auch für mich), denn dann findet Clay nach und nach heraus, dass all die Kunden des hinteren Ladenteils einem Club angehören, der seit Jahrzehnten versucht, ein geheimnisvolles altes Buch zu entschlüsseln. Und er trifft Kat Potente, die bei Google arbeitet und irgendwie sehr hip ist, aber schrecklich nervt (vor allem mich) und als Protagonistin einfach nur flach und stereotyp daherkommt. Mithilfe von Google und einem Entschlüsselungsprogramm lösen Kat und Clay die Hälfte des Rätsels, entzaubern das Geheimnis des Buchladens und machen den Chef des Clubs sehr wütend. Schließlich landen alle noch in einer Gruft (!), wo die Anhänger des Clubs in dunklen Roben herumlaufen und aus angeketteten Büchern lesen. Too much. Von allem, was mich betrifft.

In Die sonderbare Buchhandlung des Mr. Penumbra geht es – kurz gesagt – um die Themen Bücher und Digitalisierung, Bücher gegen E-Book-Reader, Bücher und Urheberrechte, und um eine Menge smarter Typen mit Notebooks. Das alles verpackt Sloan in einer mysteriösen Geschichte um ein altes Buch und sein Geheimnis. Eine geniale Mischung aus alt und neu, traditionell und modern wird Sloan von den Kritiken bescheinigt. Eine tolle Parodie auf  allzu überzeugte Google-Jünger. Mag sein, aber die Parodie kommt für mich nicht deutlich genug heraus. Vielmehr ist die starke Überzeichnung der ständigen Technikbegeisterung einfach nur anstrengend und hebelt damit die eigene Botschaft aus.

Sloans Buch verkommt bei allen guten Absichten zu einer wilden Mischung aus Da Vinci Code, Nerdbibel, Harry Potter und einer gutgemeinten Hommage an das gedruckte Wort. Sein Epilog ist die schreckliche Krönung des Ganzen: eine sechsseitige Happy-End-Abhandlung aller involvierten Charaktere, die jeden Kitschfilm in den Schatten stellt.

Das Buch endet mit einer Kurzgeschichte, die die Vorgeschichte des Romans erzählt, eigentlich sehr unterhaltsam ist und die ohne Google und vor allem ohne Kat Potente auskommt. Vielleicht hätte es Sloan dabei belassen sollen.

In einem Satz:

Penumbra hat bei mir große Erwartungen geweckt und und leider nicht halten können. Ein Roman, der in meinen Augen nicht kurios, sondern ein unausgegorener wilder Stil- und Themenmix ist. Schade! 


Robin Sloan. Die sonderbare Buchhandung des Mr. Penumbra. (Im Original: Mr. Penumbra’s 24-Hour-Bookstore.) Aus dem Englischen von Ruth Keen. Erschienen am 8. September 2015. 432 Seiten. Heyne Verlag, ISBN: 978-3453418455, € 9,99. 

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