Als Chefbankerin Liz gemeinsam mit vier ihrer Mitarbeiter zum Teambuildingseminar auf dem abgelegenen und etwas in die Jahre gekommenen Landsitz der McIntoshs anreist, ahnt sie noch nicht, dass ihr und den anderen ein turbulentes Wochenende bevorsteht, das ihre Erwartungen so gar nicht erfüllen wird. In Isabel Bogdans erstem Roman dreht sich alles um einen verrücktgewordenen Pfau und eine Menge amüsantes Zwischenmenschliches. Ein absolut unterhaltsames Schmankerl für Zwischendurch oder zünftig zum 5-Uhr-Tee.

Das Ehepaar McIntosh lebt auf einem weitläufigen, etwas abgewohnten Landsitz, dessen Cottages es an gestresste Städter oder naturliebende Wanderer vermietet. Jetzt, im Winter, ist nicht viel los, deshalb sind der Lord und die Lady nicht unglücklich, als sich eine Gruppe Banker zu einem Wochenendseminar ankündigt. Leider entspricht die reichlich rustikale Art der Unterbringung nicht gerade deren Erwartungen, doch erst richtig schwierig wird es, als Chefin Liz mit einem metallicblauen Sportwagen vorfährt. Weil einer der Pfauen, die das Gelände bewohnen, beim Anblick der Farbe Blau Wutanfälle bekommt, wird eine Kette von Ereignissen in Gang gesetzt, die dazu führen, dass sich unter den Anwesenden unerwartete Allianzen formieren und das Wochenende so ganz anders verläuft, als jeder Einzelne es erwartet hat.

Der Pfau ist Isabel Bogdans erster Roman, nachdem sie vorher vor allem durch Übersetzungen von sich reden machte. Das durchgeknallte Tier gibt dem Buch zwar den Titel, ist aber ansonsten nur der Auslöser für viele Zufälle, die Bogdans Protagonisten in Vielwisser, Wenigwisser und Nichtwisser teilen, was zu zahlreichen slapstickhaften Verwirrspielen führt. Obwohl die Message des Romans leicht zu durchschauen ist, ist Der Pfau nie langweilig, weil man als Leser vergnügt erwartet, wie der griesgrämige Bernhard, der sorglose Jim und die hyperzickige Chefin aufeinanderprallen und wie das denn läuft, wenn die Gruppe von einer unerfahrenen Psychologin gecoacht wird oder sich mit den Widrigkalten der eiskalten Unterkunft herumschlagen muss.

Bogdan schreibt unaufgeregt und locker-flockig, verfällt jedoch des Öfteren in einen etwas trutschigen Erklärstil, der eigentlich gar nicht nötig ist, weil man den Irrungen und Wirrungen auch so ganz bequem folgen kann. Wenn man darüber hinwegsieht, ist es leicht, sich den Pfau mal zwischendurch als kleine Leckerei zu gönnen und dabei herrlich dem englischen Humor zu frönen.

In einem Satz:

Wer wie ich eine Schwäche für durchgeknalltes Geflügel und Slapstick hat, dem dürfte Der Pfau sehr viel Spaß machen.


Isabel Bogdan. Der Pfau. Erschienen am 18. Februar 2016. 256 Seiten. Kiepenheuer&Witsch, ISBN: 978-3462048001 , € 18,99.

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