Anthony Doerr – Alles Licht, das wir nicht sehen

Doerr_A_Alles_Licht_das_wir_nicht_sehenEin Waisenjunge, der wegen seiner technischen Begabung in Nazideutschland gefördert wird und schließlich in einer Spezialeinheit der Wehrmacht dient, um im Krieg feindliche Sender aufzuspüren. Ein blindes französisches Mädchen, das mit seinem Vater aus Paris nach Saint-Malo fliehen muss, um unter Lebensgefahr einen Schatz zu verstecken. Anthony Doerr erzählt in seinem Roman zwei Schicksale in den Wirren des zweiten Weltkrieges und wird in Amerika dafür begeistert gefeiert und schließlich mit dem Pulitzer-Preis bedacht. Und auch ich kann mich dem Zauber seiner Erzählkunst kaum entziehen… (mehr …)

Arno Geiger – Selbstporträt mit Flusspferd

Geiger_A_Selbstporträt_mit_Flusspferd„[Das Zwergflusspferd] schloss die Augen, und ich stellte mir vor, dass es von Abenteuern träumte, in denen es ihm gelang, dreißig Minuten lang zu tauchen.“

Menschen sind eigentlich Geigers Stärke. In seinem ersten Roman „Der alte König in seinem Exil“ beschreibt er die Beziehung zu seinem demenzkranken Vater und hat mich damit schwer beeindruckt. In „Selbstporträt mit Flusspferd“ geht es um den 22-jährigen Julian, seine Beziehungsprobleme, Ängste und Gefühlsverwirrungen. Nicht uninteressant, das Ganze, doch eigentlich wird der Mensch in diesem Roman von einem Tier komplett in den Schatten gestellt. (mehr …)

Richard Wiemers – Bross. Endstation Hinterhof

Wiemers_R_Bross_Endstation_HinterhofEin Kommissar, der am Tatort Yoga macht. Eine Staatsanwältin mit rosaroter Brille. Ein ganzer Straßenzug voll Verdächtiger.

„Bross. Endstation Hinterhof“ ist der zweite Teil einer Buchreihe um einen schrägen Ermittler und so sehr ein waschechter Krimi, wie „Police Academy“ als „Tatort“ durchgeht. Aber wer auf durchgeknallte Figuren, witzige Dialoge und einfallreiche Twists steht, wird hier voll auf seine Kosten kommen. (mehr …)

Robin Sloan – Die sonderbare Buchhandlung des Mr. Penumbra

Sloan_R_Die_sonderbare_BuchhandlungEin Buch über Bücher? – Interessant.

Ein Buch über fanatische Leser? – Sehr gut.

Ein Buch über einen mysteriösen, verwinkelten Buchladen und seine Geheimnisse? – Nur her damit.

In Sloans „Die sonderbare Buchhandlung des Mr. Penumbra“ gibt es all das, und doch konnte mich das so gar nicht überzeugen, denn trotz sicherlich allerbester Absichten des Autors ist bei dem Buch irgendwie eine Kreuzung zwischen „Da Vinci Code“ und Google-Dauerwerbesendung herausgekommen. Mr. Penumbra und ich sind leider keine besten Freunde fürs Leben geworden. (mehr …)

Ma Jian – Die dunkle Straße

jian_ma_die_dunkle_strasseKeines der Bücher von Ma Jian ist in seinem Heimatland frei erhältlich. Auch in seinem jüngsten Werk thematisiert der Exilautor kritische Fragen. In „Die dunkle Straße“ schildert er das Leben einer fiktiven Familie, die auf der Flucht vor den Vollstreckern der Ein-Kind-Politik als Flussnomaden auf dem Jangtse lebt und auch dort Behördenwillkür, Korruption, Gewalt und den Folgen einer rücksichtslosen Ausbeutung der Natur ausgesetzt ist.

Ma Jians Bild von China ist das einer lebensfeindlichen, grausamen Welt, die in all ihrer Künstlichkeit erschreckend real ist.  (mehr …)

Larissa Boehning – Nichts davon stimmt, aber alles ist wahr

boehning_l_nichts_davon_stimmtEines Tages läuft Juliane, einer erfolgreichen Werbefachfrau, eine Katze zu. Später steht ihr attraktiver Nachbar vor der Tür, der behauptet, das Tier würde ihm gehören. Beide stolpern in eine Affäre, doch als Matthias sich abwendet, wird Juliane misstrauisch. Schnell findet sie heraus, dass ihr Nachbar es auf das Erbe einer kranken, alten Dame abgesehen hat. Doch ist die wirklich so ahnungslos, wie sie zu sein scheint?

Larissa Boehnings dritter Roman spinnt ein Geflecht aus Unwahrheiten, Täuschungsmanövern und Erinnerungen und spielt provokant mit Sehnsüchten und Begierden.   (mehr …)

Yoko Ogawa – Schwimmen mit Elefanten

ogawa_y_schwimmen_mit_elefantenDer  Junge ist ein Einzelgänger. Er hat imaginäre Freunde und wird in der Schule gehänselt, weil seine Lippen nach einer missglückten Operation seltsam aussehen. Als er dem dicken Mann begegnet, der in einem ausrangierten Bus lebt, weiht der ihn in die Geheimnisse des Schachspiels ein. Schnell wird klar, dass der Junge mit großem Talent gesegnet ist. Sein eigenwilliger Spielstil eröffnet ihm neue Chancen; er wird das unsichtbare Herz eines wundersamen Schachautomaten und bringt in der Enge und Dunkelheit der Maschine seine Kunst zur Vollendung. 

Ogawas „Schwimmen mit Elefanten“ ist ein hochpoetischer Roman über Talent und Leidenschaft und über die Kraft der Freundschaft.  (mehr …)

Helen Macdonald – H wie Habicht

Macdonald_H_H_wie_Habicht_1Während andere Kinder ein Instrument lernen oder draußen spielen gehen, ist Helen Macdonald fasziniert von Greifvögeln und liest alles, was sie über die Tiere in die Finger bekommen kann. Später richtet sie Falken ab, doch die sind gut zu zähmen. Heimlich träumt sie immer davon, einen Habicht, den mörderischsten aller Vögel, zu halten. Als 2007 ihr Vater stirbt, stürzt Macdonald in eine tiefe Krise. Dann kauft sie den Habicht und beginnt ihren Kampf, das Vertrauen des Vogels zu gewinnen und  den Weg zurück zu sich selbst zu finden. H wie Habicht ist Tagebuch, Naturessay und Biografie in einem und absolut ungewöhnlich und faszinierend. (mehr …)

David Gilbert – Was aus uns wird

Gilbert_D_Was_aus_uns_wirdViele Menschen schreiben und veröffentlichen. Die meisten werden nie bekannt, einigen wenigen geklingt der Durchbruch, einer Handvoll nur die Sensation. A.N. Dyers „Ampersand“ war solch ein Sensationsbuch, nur liegt das schon Jahrzehnte zurück. Inzwischen ist der Erfolgsautor ein alter, ausgebrannter Mann, der seine Kreativität verloren hat. Noch einmal bestellt er seine drei Söhne zu sich, um reinen Tisch zu machen.

Ein ambitionierter Roman über eine amerikanische Upper-Class-Familie, eine bissige Abrechnung mit der Borniertheit der New Yorker Literaturszene und ein Buch, das bei all seiner Epik irgendwie doch nicht berühren kann. (mehr …)

John Williams – Butcher`s Crossing

Williams_J_Butchers_CrossingMittlerer Westen, 1870. Der junge Will Andrews kehrt Harvard und seinen glänzenden Karriereaussichten den Rücken und macht sich auf nach Westen. Inspiriert von Ralph W. Emersons Naturauffassung ist er auf der Suche nach der Wildnis, nach einem Leben im Einklang mit der Natur und nicht zuletzt nach sich selbst. In Butcher`s Crossing, einer bedeutungslosen Siedlung am Rande der Prärie, schließt er sich einigen Jägern an und finanziert eine waghalsige Expedition hinauf in die Rocky Mountains, wo es noch letzte große Büffelherden geben soll. 

Butcher`s Crossing hat mich schlichtweg umgehauen. Ein leiser, aber atmosphärischer Western über Lebensträume, Sehnsüchte und die Gier, die daraus erwachsen kann. (mehr …)